Verwendung von Cookies

Wir verwenden eigene Cookies als auch Cookies von Dritten, um unsere Dienste zu verbessern. Wenn Sie unsere Website weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie deren Verwendung zustimmen. Ausführliche Informationen und Angaben zur Änderung der Konfiguration Ihres Browsers finden Sie in unserer Cookie-Politik.

OK

Lanzarote - die Insel

Wer Lanzarote mit dem Flugzeug überfliegt, der sieht von oben grau-schwarz-braune Bergwellen und gerundete Krater; nur im äußersten Süden hell schimmernde Strände. Kleine Ansammlungen weißer, kubischer Häuser liegen verstreut in den Senken. Im südlichen Teil der Ostküste und an der Südspitze wachsen sie zu Ortschaften zusammen. Nur dort, wo Häuser stehen, erblickt man auch das Grün von Bäumen und das Violett und Rot der Bougainvillenhecken. Keine himmelstürmenden Berge, keine tiefen Schluchten und brausende Wasserfälle, keine Wälder, die die Hänge bedecken – nur grauschwarze und graubraune sanft schwingende Flächen. Das Ganze eingebettet in das tiefe Blau des Atlantik, dessen Wogen die Westseite mit einem weißen Band von Brandungsschaum bekränzen.

Was macht dieses Eiland, die "schwarze Perle" der Kanaren, zu einem magischen Anziehungspunkt für viele Menschen, die immer wieder und wieder dahin reisen oder sogar eine neue Heimat dort finden? Was lässt beim Blick aus dem Flugzeug das Herz höher schlagen?

"Jeder Mensch trägt seine Landschaft in sich. Es ist ein großes Glück, sie wirklich zu finden. Ich habe sie gefunden: Lanzarote."
(José Saramago)

Geologie

Erdgeschichtlich gelten Lanzarote und das benachbarte Fuerteventura als die ältesten Inseln des Kanarischen Archipels. Dafür spricht ihre geringe Höhe (Lanzarote: 671m), die wahrscheinlich durch Abtragung einstmals höherer Gebirgsbildungen zustande kam. Alle Kanaren sind zunächst durch Auffaltung des heute unterseeischen Flutbasalts entstanden – eine Folge der Plattenverschiebung – und dann durch lange Zeiten durch vulkanische Eruptionen immer wieder neu- und umgebildet worden. Sie sind also geologisch relativ jung.

Auf Lanzarote sind diese Erdbildungsprozesse unmittelbar gegenwärtig: Die Vulkanausbrüche des 18. und 19. Jahrhunderts begruben etwa ein Viertel der Insel unter ihren Lavamassen. Im Timanfaya (Zentrum der Ausbrüche von 1730 – 36, heute Nationalpark) ist die Erde noch heiß. Hier ist man dem Herzen der Erde näher.

In den bizarren Gestaltungen des riesigen Lavafeldes (ca. 200qkm) haben sich auf der Windseite Hunderte verschiedener Flechtenarten angesiedelt – Indizien ersten, keimhaften Lebens, das in die Todeswelt der erkalteten Lavaströme Einzug hält. (Ähnlich im Norden der Insel, im 3000 Jahre älteren "Malpais de la Corona")

Eine Besonderheit auf Lanzarote ist der Olivin. Die glühende Lava vor allem der jüngsten Vulkanausbrüche hat seine Substanz aus tieferen Erdschichten heraufgebracht. Beim Erkalten der Lava kristallisierte er zum grün schimmernden Halbedelstein aus. Als größerer Kristall, zu Schmuck verarbeitet, heißt er Peridot.

Klima, Fauna, Flora

Inseln des ewigen Frühlings wurden die Kanaren auch genannt, ihres ausgeglichenen Klimas wegen (16 - 24°C). Dies mag verwundern, liegen die Inseln doch auf gleicher Höhe mit der Sahara, der Lybischen und der Arabischen Wüste mit ihren extremen Temperaturen. Den Ausgleich schaffen Meer und Wind: Eine kühlere Meeresströmung, der Kanarenstrom, umspült die Inseln, so dass der ewig wehende, durch die Drehbewegung der Erde bedingte Nordostpassatwind sich abkühlt und Feuchtigkeit aufnimmt. Im Winter ist es die südliche Lage mit ihrem hohen Sonnenstand (28. Breitengrad), die für den Ausgleich sorgt. Doch manchmal bringt ein heißer Wüstenwind tropische Temperaturen und trübt die Luft mit Wüstenstaub.

Regen gibt es wenig auf Lanzarote, das mit seinen geringen Berghöhen nicht bis an die Wolken reicht. Meistens werden diese vom Passatwind weitergetrieben bis zu den hohen Bergen Gran Canarias und Teneriffas, ehe sie sich öffnen und ihren Segen abregnen lassen. Da geht Lanzarote oft leer aus und muss sich mit dem Tau begnügen. Auch aus der Erde rieseln keine Quellen. Lanzarote ist eine wasserlose Insel, durch das wasserundurchlässige Lavagestein vom Grundwasser abgeschnitten.

Das Sammeln von Tau und Regenwasser war durch Jahrhunderte die wichtigste Grundlage zum Überleben. Nur im Herbst und Winter kommt es ab und zu zu üppigen Regenfällen, die die ausgetrocknete, staubige Erde durchtränken. Dann verwandelt sich die Insel in einen blühenden Paradiesgarten: Elysium, die Insel der Seligen (Homer).

Die Pflanzenwelt tritt mit erstaunlicher Vielfalt in Erscheinung (Mohnblumen, Margariten, Hornklee, Natterkopf, Mittagsblume, Salzpflanze und viele andere). Viele streuen nach der Blüte ihren Samen in den Wind. Von den rund 570 wildwachsenden Pflanzenarten sind allein 54 kanarenendemisch, wachsen nur auf den Kanaren, und 13 sind Lokalendemiten; man findet sie nur auf Lanzarote.

Gegenüber der Pflanzenwelt erscheint die Tierwelt recht eintönig: Karnickel, Mäuse, Eidechsen und Geckos sind die Hauptvertreter der wildlebenden Tiere. Bemerkenswert ist, dass es keinerlei giftige Tiere gibt, keine Schlangen oder Skorpione.

Die Vögel haben den Weg auf die Insel leichter gefunden. Neben den zahlreichen Zugvögeln, die hier Station machen oder überwintern, leben ca. 35 Arten ständig auf Lanzarote (Wildtauben, Finken, Meisen, Falken u.a.). Die Urform unserer gelben, betörend singenden Kanarienvögel ist allerdings nur schwer von den Spatzen zu unterscheiden in ihrem grau-braunen Federkleid.

Unter Wasser ist die Tierwelt wesentlich vielfältiger als zu Land, weswegen das Meer rund um die nördlich gelegene kleine Inselgruppe, den "Archpielago Chinijo", die Inselchen selbst und ca. die Hälfte Lanzarotes von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde.

Mythen und Menschen

In vorgeschichtlich-mythischer Zeit lagen die Kanarischen Inseln außerhalb der für die Menschen zugänglichen Welt, jenseits des Ortes, an dem der Riese Atlas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trug. Hier befanden sich die "Gärten der Hesperiden", der Töchter des Abendsterns (Hesperos = Abendstern, Abend = Westen), und Herakles sollte 3 goldene Äpfel aus diesen Gärten in die Welt der Menschen bringen, eine Aufgabe, die selbst für den Halbgott unmöglich war. Er bedurfte der Hilfe des Titanensohnes Atlas, der für Herakles die Äpfel der Hesperiden raubte, während dieser derweil das Himmelsgewölbe schulterte. Bei Homer werden die Kanaren "Inseln der Seligen" genannt und Plato hält sie für Reste des untergegangenen Kontinents Atlantis.

Zu Beginn unserer Zeitrechnung sinkt das Wissen um die Kanarischen Inseln in Vergessenheit, und es ist Lanzarote, das im 14. Jahrhundert als erste der Inseln in das geschichtliche Bewusstsein tritt, als der Italiener Lancelotto Malocello deren Küste erreicht. Ihm verdankt Lanzarote seinen Namen.

Seit den Zeiten der Entdeckungsfahrten werden die Inseln durch Jahrhunderte zum letzten Ankerplatz vor der großen Überfahrt nach Amerika. Von hier aus segeln die Schiffe mit dem Passatwind gen Westen. Hier ist das Tor zur anderen, zur "Neuen Welt".

Was für eine Bevölkerung fanden die zunächst französischen, dann spanischen Eroberer vor und woher kam sie? Alten Berichten zufolge waren die Menschen hochgewachsen, schön, mutig und äußerst friedfertig. Sie kannten weder Rad noch Webstuhl, nicht Pfeil und Bogen oder Metallgegenstände. Sie wurden von Königen regiert, deren Erbfolge mutterrechtlich geregelt war. Über ihre Herkunft gibt es bis heute noch keine gesicherten Erkenntnisse. Die spärlichen archäologischen Funde weisen einerseits auf die Nachkommenschaft der Menschen der Megalith-Kultur (Stonehenge, Carnac), andererseits auf die Verwandtschaft mit der minoischen und ägyptischen Kultur hin. Für Letztere sprechen Funde der bis heute nicht entzifferten Linear-A-Schrift und die von den Eroberern bezeugte Mumifizierung der Toten. Sicher sind auch die nordafrikanischen Berber-Einflüsse. Guanchen werden die Altkanarier allgemein genannt, was "Söhne des Teide" bedeutet. Die auf Lanzarote lebenden Kanarier nannten sich selbst Majos, ein Name, dessen Bedeutung nicht bekannt ist. Ihre Insel trug den Namen "Tite-Roy-Gatra", rote Berge.

Was macht nun die Magie dieser einzigartigen Insel aus?

Ihre Kargheit, in der die kleinste Einzelheit zum Ereignis wird:
ein grünes Pflänzchen in der schwarzen Lava; die farbigen Nuancen der Erde und des Gesteins mit Dunkelrot, Rostfarben, Violett oder metallisch schimmerndem Blau?

Die Reinheit der Elemente in ihrer Sonderung:
das intensive und doch milde Licht, das besonders in den Nachmittagsstunden die Farbigkeit der Berge aufleuchten lässt; die Variationen des Windes vom sanften Schmeicheln bis zu wilder Kraft, gegen die es sich zu halten gilt; das ewig Lebendige und Urgewaltige des Meeres, in dessen Gischt der Regenbogen steht; die schwarzen, toten Felsmassen, die die Sonnenwärme aufsaugen, so dass man sich zwischen ihnen tatsächlich wie im heißen Inneren der Erde fühlen kann?

Die Weite des Himmels,
in dessen atmosphärischen Farben die Verschiedenheit der Jahreszeiten schimmert und der Gang der Gestirne dem Menschen näher zu rücken scheint?

Sind es die Polaritäten von Hell und Dunkel, Licht und Finsternis, Leben und Tod?

Die Antwort bleibt ein Rätsel, dessen Lösung nur jeder in sich selbst finden kann. In einem lanzarotenischen Lied heißt es: "...hier werden in der kargen Erde Herzen kultiviert..."

José Saramago sagt: "Diese Insel ist voller Gegensätze. Sie gibt einem alles oder nichts. Mich hat sie angenommen. Ich bin ihr Adoptivsohn. Hier zu leben, ist ein unbezahlbares Privileg" (Zitiert nach Merian)

Der bedeutende Künstler und Sohn der Insel, Caesar Manrique (1919-92), dessen Anliegen es war, Mensch und Natur zu einer künstlerischen Harmonie zu führen, fand in der Berührung dieser "nackten Natur" die "Kraft der Energie des Lebens": "Lanzarote ist eine Insel für die Meditation und die Beschaulichkeit..." "Lanzarote es una isla para la meditación y la contemplación"

Goethe darf natürlich nicht fehlen!
Der spanische Schriftsteller und Gelehrte José Clavijo y Fajardo, der als spanischer Vertreter der Aufklärung gilt, ist das Vorbild zu "Clavigo". Seine Liebesaffaire mit der Schwester Beaumarchais´ regte Goethe zu dem Trauerspiel an. Clavijo y Fajardo wurde am 19. März 1727 geboren – in Femés auf Lanzarote!

Fotogalerie Lanzarote

 

Werden Sie Fan auf Facebook